Tecktonik

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Tanz-Revolution, Spastische Zuckung oder einfach nur Kommerz?

Das aus Frankreich stammende Phänomen „Tecktonik“ (auch: „Electro Dance“ / “Milky Way“), einschließlich Tanz, Musik, Mode und Lifestyle erreicht nun langsam auch die Deutschen.

Der Tanz, welcher hauptsächlich aus großen schwingenden Armbewegungen und zufällig anmutenden Beinbewegungen besteht, teilt die Gemüter. Für die einen wirkt es wie spastische Zuckungen, für die nächsten wie eine tänzerische Revolution.

Ich habe mich gefragt: Was ist dran an dem vor einigen Jahren geborenen Tanz, wo kommt er her, was sagt er aus, was macht ihn aus? Das erfahrt ihr hier.





Ursprung des Namens

Cyril Blank, Urheber der Bewegung und Namensgeber von „Tecktonik“ erklärte, dass der Name ein Wortspiel auf die Theorie der Plattentektonik ist.

„Tecktonik bezieht sich auf die Verschiebung der Erdplatten. Es beschreibt somit den Aufprall verschiedener Musikrichtungen. Hardstyle und Jumpstyle aus Belgien treffen auf weichere Elektro-Beats aus der Schweiz und Spanien.“

Musik

Die übliche Tecktonik-Musik ist somit eine Mischung aus schnellem Techno und hartem Electro/ House aus Nordeuropa und etwas weicheren Klängen aus Südeuropa. Hier ein paar Beispiele.Beispiele:

Entstehung der Bewegung

Am Anfang der Bewegung stand nur die Musik. Diese wurde auf den „Tecktonik Killer“-Parties im Metropolis-Club in Paris, welche durch Cyril Blanc und Alexandre Barouzdin organisiert wurden, gespielt.

Innerhalb des Metropolis-Clubs, in dem der Dresscode „schwarz, weiß und neon“ war, lieferten sich Gruppen von Jugendlichen Tanzwettbewerbe, welche an die frühen Hip Hop battles erinnerten. In einer anderen Ecke bekamen die Tänzer kostenlos Haarschnitte und wurden auch gleich in ihrem neuen Look fotografiert.

Die Geburtsstunde Tecktoniks war jedoch erst angebrochen, als die Clubgänger anfingen sich allmählich eine eigene Choreografie auszudenken.

Blanc und Barouzdin hatten zwar nicht selbst etwas erfunden, hatten aber die Vorahnung, dass dies etwas Großes werden könnte, sobald es auf das Internet treffen würde.

Und sie behielten Recht.

Verbreitung

Schon bald tauchten die ersten Videos auf Youtube auf, welche durch den unverwechselbaren Tanz- und Kleidungs- stil der Tänzer auch schnell weiterverbreitet wurden.

Inzwischen gibt es Hunderte mehr oder weniger professionelle Tecktonik-Videoclips, es ist zu einer richtigen Massenbewegung geworden.

In Frankreich ist es überall präsent: im Fernsehen, in Zeitungen und Zeitschriften, in Discotheken, in Schulen und sogar in Fitness-studios trainieren Leute in Tecktonik- statt in Aerobik-kursen.

Internationales Interesse bekommt Tecktonik im Jahr 2007, in welchem auch ausländische Medien das Phänomen aufgreifen und durch Beiträge weiter fördern.

Auch die Hits „Alive“ von Mondotek, „Garçons“ von Yelle und „Sucker“ von Dim Chris sorgen für einen noch stärkeren Bekanntheitsgrad.





Im September 2007 ist Tecktonik auch auf der Techno Parade vertreten.

Aussehen der Tänzer

Zusammen mit den „Tecktonik Killer“ Parties entwickelten Cyril und Alexandre die Symbole, die die Bewegung umrahmten: Neon-Farben, breite Schuhe, enge Kleidung und Elemente aus den 80ern.

Typische Tecktonik-Tänzer tragen zum Beispiel hautenge Röhrenjeans, T-Shirts mit grellen neonfarbenen Aufdrucken, Kapuzenjacken in Karomuster und Baseballcaps locker auf dem Hinterkopf gesetzt. Weitere beliebte Accessoires sind lila Palästinensertücher, Lack-Basketballschuhe oder auch ein Totenkopf-Gürtel in Pink.

Auch die asymmetrischen Frisuren der männlichen Tecktonik-Tänzer heben sich vom Durchschnitt ab. Vokuhila, Irokesenschnitt und Hahnenkamm sind üblich, die Seiten kurz geschoren, manchmal auch mit einrasierten Mustern.

Bewegungen

Tecktonik ist eine Mischung aus verschiedenen Tanzstilen, wie Disco, Vogue, Waacking, Hip-Hop und Freehand Glowsticking.

Es besteht hauptsächlich aus Armbewegungen, wobei Grundelemente aus glowsticking wie das Konzept der „Freehand“, die Abbildung 8 und die Idee der führenden Hand übernommen wird.

Währenddessen gleiten Hüften, Knie und Füße sanft über den Boden, oft in einer zufälligen und ruckartigen Weise. Auch Breakdance-artige Beinarbeit findet sich wieder.

Auch ein paar Gesichter der Bewegung wurden gefunden: Lecktra und Jey Jey gelten als die absolute Spitze der Tecktonik.









Kritik

Doch jede positive Entwicklung hat auch immer ihre Negativ-Seiten. Blanc und Barouzdin, welche von Anfang an das kommerzielle Potential dieses Stils im Auge hatten, nutzten dies voll aus.

Der Begriff der Tecktonik ist als Marke geschützt um andere Clubs davon abzuhalten ähnliche Club-Abende anzubieten.

Auch werden unter dem Namen Tecktonik Kleidung, Schmuck, Accessoires, Musik-Kompilationen, DVD's und sogar ein Energy-Drink verkauft. Viele Jugendliche folgen dem Trend und kaufen die offiziellen T-Shirts, Neon-Schweißbänder mit dem Tecktonik-Logo und auch andere Produkte.

Tecktonik verkauft den Lebensstil ihrer Kunden und richtet sich an Leute, die ihn auch verkauft haben wollen. Ein Wirtschaftswissenschaftler sagte dazu:

"Der Kapitalismus hat heute so einen starken Einfluss, dass Bewegungen schon Marken sind, noch bevor sie wirklich geboren wurden."

Rund 1.000 Tecktonik T-Shirts werden in der Woche online und im Fachhandel erworben. Eine Tecktonik-Musik Compilation wurde im Jahr 2008 400.000 mal verkauft.

Botschaft

Tecktonik versteht sich nicht als soziale Bewegung, es ist eine Mischung aus jungen Menschen aus verschiedenen Hintergründen und mit verschiedenen Absichten. Alle machen mit: schwarze und arabische Jugendliche aus den armen Vorstädten, genauso wie die reichen aus den guten Vierteln.

„Tecktonik ist apolitisch – es geht um Spaß, Musik, Tanz und natürlich auch um Mode und Ästhetik“

sagt Cyril Blanc

Tecktonik nimmt jedoch eine Haltung gegen Drogen und Alkohol ein - eine gesunde Bewegung mit einem guten Geist.

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Kommentator-Bild1 Tröte
22 Jan 2011, 14:29
Man sollte auch nicht vergessen, das Tektonik eigentlich nix anderes ist,
als das zusammengeklaute Material von anderen Tanzrichtungen. Das war vor
Jahren in der Mitte der Nullinger beim EMO trend genauso. Ich sehe da immer
bewegungsabläufe aus anderen Stilrichtungen, die schon lange vor Tektonic
existiert haben... .

Lustig ist dann nur, wenn mir z.b. Vorwürfe gemacht werden, ich würde dies
und das aus dem Tektonic Bereich geklaut haben. Den Leuten dann klar zu
machen, das man selber schon Jahre vor der T. Welle angefangen hat zu
tanzen, ist dann nicht immer einfach -.- ... Mir sind komplett
selbstentwickelte Bewegungsabläufe immer lieber, als abgekupfertes Zeug von
Youtube. Dauert 5 mal länger, ist aber wesentlich besser.....

gruss,

tröte
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